Lies mal Keegan...
Um Spaß geht es allerdings wirklich nur selten...
Bei einigen südamerikanischen Kulturen wurde etwa Krieg geführt, um Gefangene zu machen, die dann ehrenvoll behandelt und (als höchste Ehre) geopfert wurden. Man müsste schon sehr großzügig das Menschenopfer als politisches Ziel deklarieren, um hier noch Clausewitz zu folgen.
Ähnliche Beispiele gibt es viele.
Clausewitz hat ja ursprünglich Krieg als ultimative Selbstbehauptung eines Volkes gesehn. Später ändert sich das und er sieht im Krieg dann vor allem einen Mittel zum Zweck: "Der Krieg ist also ein Akt der Gewalt, um den Gegner zur Erfüllung unseres Willens zu zwingen" (bzw. "Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln").
Keegan stellt einige Fälle dar, in denen die Willenserfüllung durch den Gegner zweitrangig oder sogar unerheblich ist. Und er verweigert sich der Logik von Clausewitz', die zum "absoluten" Krieg und dem Aufrüsten zu Abschreckungszwecken (> Wettrüsten) führt, indem er etwa die Logik des durch Rituale begrenzten Kriegs erläutert (beispielsweise bei den Urvölkern) oder indem er das Irrationale des Krieges nicht einfach als Verirrung einer sonst rationalen Politik versteht.
Es geht auch gar nicht vorrangig um eine Kritik an Clausewitz, sondern Keegans Versuch, die kulturelle Dimension des Ganzen zu erfassen ist sehr viel umfassender. Auch wenn man sicher nicht allen seinen Thesen folgen muss, das Buch ist durchaus lesenswert.