Das ist recht einfach zu beantworten. Der Mensch wird von 2 großen Faktoren geprägt - Nature und Nurture, was soviel bedeutet wie die Gene und die Pflege/Aufzucht. Das heisst jeder große Denker wurde von seinem Land geprägt, da die Aufzucht durch Faktoren wie natürliche Umgebung, Geschichte, Glaube, Gesetze, Werte, etc stark beeinflusst wird. Weil sich das über Generationen hinweg fortsetzt kann man dem eigenen Land hier eine große Rolle zuweisen, da in den meisten Fällen, die Eltern im gleichen oder ähnlichen Umfeld gewachsen sind - daher also auch vom Land geprägt sind.
Menschen werden durch ihre Umgebung beeinflusst, no shit. Was dieser Umstand damit zu tun hat, dass Länder die Verdienste mancher Menschen, die aus eben diesen Ländern stammen für sich beanspruchen und daraus einen Grund für einen gewissen Stolz ableiten, wird dadurch aber in keinster Weise erklärt.
Im Gegenteil ist es tatsächlich so, und ich glaube es ist nicht notwendig prominente Emigranten an dieser Stelle anzuführen, sie sind ohnehin hinlänglich bekannt, dass gerade die räumliche und in vielen Fällen wohl auch geistige Distanz zum Herkunftsland viele Errungenschaften erst ermöglicht haben.
Dass erst die Auseinandersetzung mit der Kalamität im eigenen Herkunftsland ebenso oftmals ein mitbestimmender Faktor (und hier sind wohl ebenso zahlreiche Beispiele insbesondere auf literarischem Gebiet wohlbekannt) an der Schaffung eines bedeutenden Beitrages (zu welchem Gebiet auch immer) spielt, sei fraglos hingenommen - dass dies aber ein Grund für Stolz auf das Herkunftsland des Schaffenden sein soll, könnte dann nur im ironischen Bereich Sinn ergeben.
Ich danke an dieser Stelle sowohl dem Nationalsozialismus als auch dem Austrofaschismus für die Vertreibung zahlreicher heller Köpfe und der damit einhergehenden Schaffung eines für "die Eltern änhliches oder gleiches Umfeld", das es offensichtlich ermöglicht "über Generationen hinweg" einige geniale Denkerinnen hochzuzüchten. Die paar Toten und die Misere im Allgemeinen sollte uns dieser dadurch rechtmäßig erworbene Stolz schon wert sein.
Doch was mich richtig nervt, ist der Vergleich mit Nazis. Denn zum einen sind wir längst nicht mehr dafür verantwortlich, zum anderen waren die Siegermächte vorher noch genauso fanatisch, wie wir dargestellt wurden. (Beispiele zeigen sich genug im 1. Weltkrieg)
Diesen Unsinn zu kommentieren enthalte ich mich einfach mal.
Berandor gibt dir hierfauf eine recht gute Antwort.
Ich habe keine Frage gestellt - zum anderen, was allerdings zugegebenermaßen nicht deutlich wird, habe ich mich auf das Stück mit dem 1. Weltkrieg bezogen.
Zum Thema 2.ter Weltkrieg:
Wenn du dir das unter die Nase reiben lässt bzw. dich das stört, dann ist das deine eigene Schuld. Ich sehe diesen Teil unserer Geschichte als große Chance und Verantwortung für uns Deutsche. Wir sollten frühzeitig anderen Ländern die ebenfalls auf diese Schiene verfallen (Rechtsradikale und Radikale Strömungen allgemein) Einhalt gebieten durch politische Zeichen und eventuell auch durch wirtschaftliche Konsequenzen. (Beispiel: Solange Avigdor Liebermann Außenminister Israels ist, keine Waffen mehr an Israel verkaufen.)
Deutschland ist schließlich nunmehr frei von jeglich Radikalen. Dass gerade Israel zur Rechtfertigung abstruser Allgemeinfloskeln dient - besonders im Zusammenhang mit Rechtsradikalen - sei einfach nur als etwas unpassend hervorgestrichen; insbesondere wenn anscheinend ein allgemeines Embargo gefordert wird, da die Besetzung eines Außenministers als - aus nicht näher ausgeführten Gründen - "problematisch" eingestuft wird.
Dir ist schon klar, dass eine Kultur über das Fernsehprogramm hinausgeht? Wo sind denn in Amerika die Schlösser, die Gehwege, das gute Bier, die Autobahnen, der trockene Humor, die Pünktlichkeit, das Essen mit Messer und Gabel, das Recyclen, die gemäßigten Mengen? Wo in Deutschland tragen wir Waffen, wo sind die Rednecks, wo sind die Freizeit-Jäger, wo sind die 100 Millionen schweren Werbekampagnen (pro Kandidat), seit wann Befürworten wir das Militär, seit wann haben wir über 20000 verschiedene Kirchengemeinschaften?
Schlösser? Gibt es selbst in den USA (klarerweise moderneren Ursprungs als die meisten in Deutschland zu findenden - das aber als kulturelle Errungenschaft gegenüber den USA anzuführen ist aus offensichtlichen Epochengründen problematisch). Da aber von Amerika die Rede ist, sei die Gegenfrage nach den deutschen/marsianischen (für die Zak McKracken-Fans) Pyramiden gestattet.
Gehwege und Autobahnen (selbige sind wiederum ein beliebtes, wenn auch ebenso falsches, Beispiel aus bestimmten Kreisen) sind wohl nahezu weltweit zu finden. Deren Kulturbeitrag erschließt sich mir aber ohnehin nicht.
Bier- und Humorvorlieben basieren wohl auf individuellen Präferenzen und können, ebensowenig wie die Pünktlichkeit auf eine ganze Nation verallgemeinert werden. Es soll Leute geben, die kein Bier trinken oder möglicherweise betsimmte Marken/Sorten gegenüber anderen bevorzugen (Gott behüte sie tränken lieber ein australisches denn ein deutsches Bier)- Kulturchauvinisten, allesamt!
Da mir mittlerweile die Motivation diesen Unsinn zu kommentieren flöten geht, spare ich den Rest der netten Liste aus.
Ich stimme mit Rule überein, dass man nicht direkt wiedergeben kann, was eine spezifische Kultur ist, da diese Kultur etwas komplett Variables ist, aber dass man den Begriff Kultur an sich definieren kann - alles was eine Gruppe Menschen gemeinsam hervorbringt und teilt (das bedeutet nicht, dass jeder an der Schaffung direkt beteiligt sein muss, sondern nur, dass ein Mitglied der Gruppe (welches natürlich von der Gruppe beeinflusst wurde), etwas schafft, dass den Rest der Gruppe direkt oder indirekt beeinflusst).
Soweit ich sehe spricht Rule von den Schwierigkeiten der Abgrenzung des Kulturbegriffs im Allgemeinen. Was das spezifisch Deutsche an der - offensichtlich von einer spezifisch amerikanischen verdrängt werdenden - Kultur sein soll, wurde bis auf einige blödsinnige Aufzählungen und dem Kapitalismus-Schlagwort-Getröte weder erwähnt noch erörtert.
Es wäre tatsächlich interessant was denn das deutsche Element in der deutschen Kultur sein soll, welches offensichtlich verloren gegangen ist und dermaßen, wenn auch äußerst unspezifisch, zurückgesehnt wird. Sollten möglicherweise und durchaus unerwartet konkrete, doch verdrängte, Ausprägungen deutscher Kultur aus dem offensichtlich unüberwindbaren Dickicht der Begrifflichkeiten, sozusagen aus dem Dunkel der verlorenen Kultursprache, hervorgezerrt werden können, kann vielleicht noch dazu übergegangen werden, danach zu fragen, warum man dergleichen, was auch immer sich dahinter verbergen mag, zurückhaben will - so man es jemals besessen hat.
Etwas weiter vorne im Thread gehe ich auf die ständige Veränderung der Kultur ein:
Wem es noch nicht klar ist - Kultur ist toll und scheiße, beeindruckend und lächerlich, wichtig und unbedeutend, wunderschön und hässlich. Es beinhaltet alles.
Na toll. Jetzt ist die Kultur unter die Dialektiker gegangen. Dann kann sie sich, soweit es mich betrifft, ohnehin brausen. Derlei metaphyische Sinnlosigkeiten sind dennoch schön zu lesen (und klingen trotz ihrer Aussagelosigkeit äußerst beeindruckend) - möglicherweise eine der kulturellen Errungenschaften der deutschen Sprache.
Wie nun ja schon etliche Male erwähnt, stolz kann man nur auf eine Leistung sein. Und weil man ja nichts leistet um Deutsch zu sein, kann man auch nicht stolz darauf sein Deutscher zu sein. Oder etwa doch?
Wenn wir uns die oben genannte Definition einer Kultur anschauen, kommen wir nicht umhin zu bemerken, dass jeder einen Teil (und sei er noch so klein) dazu beiträgt, wie sich eine Kultur entwickelt, womit die Grundvoraussetzung für Stolz erfüllt ist. Natürlich kann man nicht so stolz darauf sein Deutscher zu sein wie z.B. wenn man ein Haus gebaut hat, etwas erfunden hat oder in andersartiger Weise etwas getan hat, aber man kann (berechtigt) stolz darauf sein Deutscher zu sein, denn all das eigene Handeln beeinflusst das Deutschsein bzw die Kultur in der man lebt, ja selbst das Nichtstun qualifiziert die Person als konservative Kraft in einer Kultur.
Mit dem gleichen Nachdruck betone ich hiermit stolz darauf zu sein, kein Deutscher zu sein - mein Handeln und insbesondere mein Nicht-Handeln leistet keinerlei Beitrag zum "Deutschsein".
Andererseits kann offensichtlich mein vor Kurzem als "konservative Kraft" meiner (anscheindend ohne mein bewusstes Zutun) österreichischen Kultur, getätigter Beitrag in der heimischen Kloschüssel als wertvoller Mitwirkung an dieser, meiner Kultur gelten.